Die Mongolei

…..war tatsächlich ein Erlebnis – genauso, wie ich es mir erträumt hatte. Noch schöner, denn alle Erlebnisse konnten Krissy und ich sofort miteinander teilen: abends im Schlafsack ließen wir Revue passieren, wie mongolische Kinder uns ein traditionelles „Kniffel“spiel erklärten. Die Würfel waren aus echten Knochen der Knöchel kleiner Zicklein, welche zuvor von der Familie verspeist worden waren.

Knochen-Kniffel

Knochen-Kniffel

Oder wir konnten auch einfach herzhaft darüber lachen, wie sich unser Fahrer, Baska, ein wenig in mich verguckt hatte – wollte er mich doch am liebsten in sein Zelt zum Übernachten einladen. Natürlich zog ich es vor, meine Nachtruhe mit Krissy neben mir zu genießen, um am nächsten Morgen vom Pferdegetrappel der ersten Herden aufgeweckt zu werden. IMG_4971

Unsere Woche war so intensiv, dass wir im Nachhinein kaum glauben konnten, nur 7 Tage dort verbracht zu haben – so voll waren wir mit Eindrücken.

Doch unser gemeinsamer Urlaub begann in Peking, und dort stand natürlich auch so einiges auf dem Programm: Schulbesuch, Kennenlernen einiger Kollegen, Konfuziustempel, Einkaufstempel, chinesisches Essen (vom Trinkjoghurt am Kiosk bis zu den berühmten Jiaozi-Teigtaschen), ein Besuch der Verbotenen Stadt, die auch ich noch nicht erobert hatte und natürlich Kraxeln auf der Großen Mauer.

Von den schönsten Tagen in Peking wird ja leider nie in den Medien berichtet. Perfekter Tag auf der Mauer!

Von den schönsten Tagen in Peking wird ja leider nie in den Medien berichtet. Perfekter Tag auf der Mauer!

Außerdem wurde mein TCM-Arzt besucht, auf den ich inzwischen echt schwöre! Krissy hat alles sehr genossen und war ein anspruchsloser Gast – denn wirklich alles hat ihr Spaß gemacht, und somit machte es uns auch nichts aus, Geschäfte mehrmals aufzusuchen, wenn es doch beim ersten Mal einfach nicht gelang, ein Lieblingsstück auszuwählen.

Krönender Abschluss unserer „Einstiegstage“ in Peking war der Tag auf der Mauer, welcher außerdem noch mein Geburtstag war:  Wer wird schon auf der Mauer 25 ???? Einen herrlichen, heißen und klaren Sommertag haben wir fast einsam auf der Mauer verbracht – kaum bis gar keine Touristen versperrten uns die Sicht, sodass wir ausgedehnte Fotosessions machen konnten.

Den Abend ließen wir bei einem Gingerbeer auf den Dachterassen über der Stadt ausklingen, bevor wir die letzten Reisevorbereitungen trafen.

Vor der frühen Abfahrt der transmansurischen Eisenbahn (südl. Strecke der Transsib!) vom Hauptbahnhof war ich tatsächlich ein bisschen aufgeregt; sicherlich hatte ich mich mehrfach vergewissert, wann wir wo abfahren sollten, aber üblicher Weise regelt sonst Stephan unsere Reiseangelegenheiten. Doch dieses Mal hatte ich allein fast alles für Krissy und mich geplant. An die Zugtickets heran zu kommen war mächtig schwierig gewesen, sodass ich sie letztendlich über unser Schulsekretariat hatte kaufen lassen. Unsere gute Seele, Herr Bay, hatte sie reserviert und abgeholt – allein hätte ich das mal wieder nicht in China geschafft; zu kompliziert und undurchsichtig sind da die Ticketverkaufsstellen, von der es nur eine einzige gibt, in einem Hotel mitten in der Stadt, in einem kleinen Zimmerchen……

Alte DDR-Züge im Einsatz in Richtung Moskau

Alte DDR-Züge im Einsatz in Richtung Moskau

Aber wir kamen morgens überpünktlich am Bahnhof an, und wie sich herausstellte, waren auch andere Touristen mit der Bahn unterwegs. Kanadier, Italiener, Australier und Amerikaner waren mit an Bord. Und auch ein Lehrerkollegenpaar mit Sohn, dass nach 7 Jahren ganz langsam mit dem Zug von Peking Abschied nehmen wollte und als letzte Reise eben die Tour mit der Eisenbahn bis Moskau geplant hatte. Gemeinsam verbrachten wir fast 4 Stunden im kleinen Grenzort Erlian, wo die Eisenbahn auf ein schmaleres Gleisbett umgehoben wird. Wir warteten draußen und tranken Bier 🙂

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Die Fahrt war erholsam; wir konnten beide beim regelmäßigen Geklacker der Waggons auf den Schienen herrlich entspannen und schlafen – jeder von uns hatte eine Liegefläche für sich. Oder wir schauten aus dem Fenster und nahmen die Veränderungen der Landschaft wahr: vom schroffen Gebirge, das Peking umgibt, über trockenere, sanftere Hügel bis hin zu grünen Mongolei. Wir entdeckten die ersten Jurten schon weit vor Ulan Bator, welches sich natürlich großstädtisch mit Stau gab…. Wir wurden abgeholt und von unserem Fahrer, Baska, und der jungen Dolmetscherin, Baira, (21 Jahre!) begrüßt. Zunächst mussten Einkäufe getätigt werden, damit wir mitten im Nirgendwo auch versorgt sein würden. Baska wollte unbedingt Ziegenrippchen kaufen, und wie sich herausstellte, konnte und wollte er in der folgenden Woche nicht auf Fleisch verzichten und musste täglich sein mittägliches Hüngerchen mit kleinen Fleischfladen stillen, die man tatsächlich überall erstehen konnte. Für Krissy hingegen, die Vegetarierin ist, war das Hungerstillen nicht ganz so einfach, denn die Mongolen sind eben bekennende Fleischesser – Gemüse gibt es vor allem auf dem Land kaum, und in der Stadt ist es recht teuer. Trotzdem haben es Gastgeber geschafft, die traditionellen Teigtaschen für Krissy mit Kartoffelbrei und Kräutern zu füllen – welch eine Geste und auch Genuss.

Das Land imponierte uns mit seiner Weite; nur war nicht herauszufinden, wie sich unser Fahrer orientierte, denn Schilder gab es auf den Wiesen, die wir befuhren – denn es ging ständig querfeldein – natürlich nicht. Wir fuhren stets einsam über Feld und Flur, und wenn wir jemanden trafen, war es üblich anzuhalten und kurz zu plaudern, aber es kam auch vor, dass nach dem Weg gefragt wurde. Und so gab es laut unserer Dolmetscherin tatsächlich Auskünfte wie: „ An der nächsten Hügelkette vorbeifahren, links hinter dem Fluss abbiegen und am dritten Berg rechts halten…..“

keine Straßen, nur Pisten durch die Prärie

keine Straßen, nur Pisten durch die Prärie

Wir campierten zwei Mal im Zelt; schliefen unter einem reichen Sternenhimmel mitten im Nirgendwo und hörten dann morgens Pferdegetrappel am See, was uns bedeutete, dass es wohl Zeit zum Aufstehen war.

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Die anderen Nächte waren wir Gäste bei den Nomaden, die unser Fahrer kannte, und uns wurde eine Gästejurte zu günstigsten Preisen angeboten. So waren wir ganz nah dran am Leben, dass die Nomaden im Einklang mit der Natur führen:

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Eine Familie wohnt in einer Jurte – alle Familienmitglieder teilen sich die etwa 30 m2 große Unterkunft. Draußen grasen die Yaks, Ziegen, Schafe und Pferde, welche alle frei in der Prärie herum laufen. Sie werden zusammengetrieben oder kommen selbstständig zum Melken heim. Der Vater der Familie scheint häufiger am Tag zu hause vorbei zu schauen. Es gibt immer heißen Milchtee für ihn und Gäste auf dem Herd, der im Zentrum der Jurte steht. Die Frau melkt die Tiere und zieht die Kinder groß – häufig helfen auch Tanten und Cousinen dabei.  Das Leben spielt sich rund um die Jurte ab…..nur konnten wir uns kaum vorstellen, wie hart das Leben doch im Winter sein muss, wenn es draußen bis zu -40 Grad kalt wird.

Nun im Sommer romantisierten wir den Lebensstil, der aber tatsächlich von harter Arbeit geprägt ist – täglich wird das Überleben gesichert, indem die Milch und das Fleisch der Tiere zum Verzehr zubereitet wird. In der Jurte hängt Fleisch zum Trocknen (kein angenehmer Anblick für Krissy), Joghurt wird zubereitet und die Stutenmilch muss ständig gerührt werden.

Aber auch die Moderne erhält Einzug: Fast jede Jurte hat heute auch einen Fernseher, und draußen sorgt ein Solarpaneel für den Strom in der Jurte.  Es wird nicht  mehr nur auf Pferden geritten – häufig steht ein Motorrad oder Geländewagen vor der Tür.

Bei der Planung der Reise war uns letztendlich bewusst, dass wir das große Nadaam-Fest wahrscheinlich verpassen würden. Ringkämpfe, ein 25km Wettreiten und Bogenschießen werden an etwa 3 Tagen im Sommer (rund um den 10.-12. Juli) in traditioneller Kleidung zelebriert. Nur, dass es entgegen unserer Annahme nicht nur EIN Fest gibt, sondern jede Gemeinde ihr eigenes feiert – zeitversetzt zum großen Fest bei der Hauptstadt. So kamen wir an 4 Festplätzen vorbei und konnten das Treiben genießen:

Ringen

Ringen

Die Reiter machten sich für das Wettrennen bereit, wobei zu bedenken ist, dass Kinder ab 7 Jahren reiten dürfen.

kleiner Mann mit Deel kurz vor dem Rennen

kleiner Mann mit Deel kurz vor dem Rennen

trotz Tradition auch mit Handy!

trotz Tradition auch mit Handy!

 

 

 

 

 

 

Beeindruckend waren vor allem die farbenfrohen „Deels“ der Frauen und Männer, und das familiäre Miteinander, das trotz allem Kampfgeist herrschte.

 

 

 

 

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Wir hatten wirklich viele Eindrücke zu verarbeiten, hatten aber auch trotzdem viel Zeit und Möglichkeiten unsere Seele baumeln und durch die Weite des Landes Gedanken frei kreisen zu lassen.

Immer wieder wurden wir jedoch auch mit dem kulturellen Gedankengut konfrontiert, mit welchem die Nomaden sich seit Jahrhunderten ihre Welt erklären: Schamanismus ist immer noch weit verbreitet. Ausgewählte Männer oder Frauen wissen um Heil- und Pflanzenkunde, aber auch um Ratschläge und „altes Wissen“ für alle Lebenslagen. Ihnen wird auf (fast) jeder Bergkuppe ein Mahnmal mit aufgehäuften Steinen oder Knochen bereitet, welches bei Besuch 3 Mal umrundet werden sollte. Weitere Steine sollten von jedem Besucher hinzugeworfen oder blaue Tücher, die die Farbe des Himmels haben, abgelegt werden. Sie symbolisieren die besondere Nähe zu jedem Schamanen, der über allem steht.

Bergkuppe mit Opfergaben

Bergkuppe mit Opfergaben

Falls man aber unterwegs ist und keine Zeit hat, um die Bergkuppe und damit den Schamanen und Naturgeistern  gebührend zu huldigen, reicht es auch 3 Mal zu hupen ! ! !  🙂      Außerdem gibt es nur noch den (tibetischen) Buddhismus als Glaube, der aber im Alltag weniger Bedeutung hat – trotzdem gibt es in jeder Jurte einen kleinen Altar, wo aber auch die Fotos der eigenen Familie einen Platz finden.

Imponiert hat uns die Größe des mongolischen Reiches nachdem Chinggis Khan die Völker geeint hatte. Es verlief südwestlich bis Indien und umfasst das gesamte heutige China bis an die vietnamesische Grenze. Riesengroß! Das lernten wir in einem Museum in Karakorum, das lange als großes Handelszentrum galt – heute ist es ein Ort von wenigen Tausend Einwohnern.

Je länger ich schreibe, desto mehr Details erinnere ich, doch beeindruckender sind die Bilder, die ich im Kopf behalten werde, und die zeigen, wie die Familien leben. Bei herannahendem Gewitter wird die Hochebene (über 1600m) in ein schönes Licht getaucht, sodass wir mit den Pferden besonders nah wirken, und auch das Melken wird bei einsetzendem Regen einfach unterbrochen.

Bäuerin läauft durch den Hagel über die Prärie

Bäuerin läauft durch den Hagel über die Prärie

 

Ein weites Land – eine schöne Zeit!

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