Botschaftsbesuch Nr. 2

Bevor unser sechstes (6.!!!) Schuljahr an der DSP und eben unser sechstes Jahr in Peking beginnt, möchte ich noch berichten, wie das letzte Jahr zu Ende gegangen ist….nämlich wieder an der Deutschen Botschaft.

Dieses Mal erhielt nur ich eine Einladung, Stephan musst zu hause bleiben, und es war ein Dresscode, also eine Kleiderordnung für den Abend vorgeschrieben: Herren sollten im schwarzen Anzug, die Damen im kurzen Kleid erscheinen…..zu Ehren von Frau Merkel, die in diesem Jahr, glaube ich, schon zum dritten Mal in China war. Dazu muss man wissen, dass an einem solchen Abend die Gäste ausgewählt werden; zu jeder anderen Botschaftsveranstaltung, wie z.B. dem WM-Gruppenspiel gegen Polen, konnte sich fast jeder über eine Sammelanmeldung selbst einladen; zum jährlichen Weihnachstbasar im Dezember muss man bis zu 4 Stunden draußen Schlange stehen, außer man hat ein VIP-Ticket, um beim Aufbau zu helfen. Dann geht´s wohl etwas schneller.

Ich hatte jedenfalls eine Einladung zu diesem Abend erhalten; ich denke, dass der deutsche Botschafter an mich gedacht hatte, als ich im Gespräch bei der Abiturentlassungsfeier seiner Sohnes, dessen Klassenlehrerin ich war, fallen ließ, dass ich doch einen Besuch von Frau Merkel an unserer Schule ganz passend fände….und ich auch sonst diese Frau gern einmal treffen würde. Eine nette Geste, denn sonst wird man nur per Zufall über die „Deutschenliste“, die die Botschaft führt, zu solch einer Veranstaltung ausgewählt. Mir war auch nicht ganz klar, welche Art von politischem Abend mich dort erwarten würde, aber es versprach ein spannender zu werden, schließlich hatte die Bundeskanzlerin gleich eine ganze Riege ihrer Minister dabei, so die Presseankündigung. Und ich freute mich darauf, Politluft zu schnuppern.

Nach der Ausweiskontrolle wurde man gleich in den Garten geleitet, der schon gut besucht war, und ich war erstaunt, wie viele chinesische Gäste sich ebenso eingefunden hatten. Es gab Erfrischungen und hors-d´oeuvres von einem renommierten Catering Service, somit konnte ich angenehm mit einem Chinesen plaudern, der mir Details zur Verköstigung und Anzahl der Gäste nennen konnte, da er selbst noch bis vor kurzem in der Botschaft solche Ereignisse organisiert hatte, inzwischen aber bei der Industrie- und Handelskammer arbeitete. Etwas über 500 Gäste waren geladen, und das Catering wurde nun nicht mehr vom Grand Hyatt Hotel übernommen, denn die hatten ja einen Hotelbrand als Herr Gauck in Peking weilte – diese Schmach hatte man noch nicht verkraftet.

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Chinesische und deutsche Gäste; apartes chinesisches Musikensemble

Chinesische und deutsche Gäste; apartes chinesisches Musikensemble

Nächster Gesprächspartner war ein Journalist, der für Bloomberg schreibt, welche etwa die amerikanische Version des Reuters Nachrichtendienst darstellt, und der mit dem Merkeltross mitgereist war. Er wusste, dass es noch etwas dauern würde bis Frau Merkel erscheint, obwohl Wolfgang Schäuble bereits an mir vorbei gefahren war. Ebenso standen bereits Herr Maaß und Frau Wanka im Empfangsraum – kaum mehr als ein paar Meter neben mir, bereits in Gespräche vertieft. Herr Steinmeier lehnte betont lässig am Cocktailtisch und war im Gespräch mit der Frau des Botschafters. Er war wirklich gut gelaunt und machte auf mich einen kommunikativen und entspannten Eindruck.

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Frau Merkel wurde von Beginn an eng von der Security begleitet, ständig jemand an ihrer Seite, der den Weg zeigte; sie ging entschlossenen Schrittes in einen Presseinfo-Termin (mit meinem Journalisten). Ihr Blick offen, aber bestimmt. Danach sprach sie im Garten zu allen Gästen, worauf alle gewartet hatten.

 

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Ich war noch in ein Gespräch mit einem Chemikonzern-Chef verwickelt, konnte aber noch den Rest der Rede, die sie frei hielt, mitbekommen. Alle paar Sätze wurde simultan ins Chinesische übersetzt; ihre Worte stellten die wichtige Zusammenarbeit unserer beider Länder und den engen Austausch (Jahr des deutsch-chinesischen Jugendaustausches) in den Blickpunkt, nicht ohne auch auf Differenzen und weiteren Gesprächsbedarf anzumerken (in Bezug zum Thema: KUKA). Anschließend wurde sie regelrecht bestürmt, musste neugierigen und aufdringlichen Gästen Rede und Antwort stehen und das in diesem Gedränge. Ihre Bodyguards waren mächtig in Hab-Acht-Stellung! Der Pastor der DSP hatte sie sogar in ein Gespräch zur Stellung der Kirche in China verwickeln können, wie er später erzählte, und sie war bestens informiert, bestätigte er.

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Merkel sehr gelassen trotz der Menschenmassen.

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Merkel irgendwo mittig…

 

 

 

 

 

 

 

Es waren wirklich nur kurze Eindrücke, die ich live von unserer Bundeskanzlerin erhaschen konnte, und doch blieb eine stille Bewunderung für ihre Professionalität zurück: Die Anzahl der Termine am Tag, ihre Frische und die gewählten Worte, die weder abgelesen noch abgedroschen klangen. Ich war und bin tatsächlich beeindruckt. Die anderen Gäste, die insgesamt gesehen auschließlich zur Verzierung des Abends anwesend waren, machten aus ihrer eigenen Anwesenheit ein Schaulaufen; es schien wichtig zu sein, wer mit wem dort gesehen wurde, und sicherlich wurden auch Kontakte geknüpft, die ich als normal sterblicher Lehrer nicht unbedingt benötige. Stattdessen freute ich mich über Anekdoten, die der chinesische Vorstandsvorsitzende der DSP aus seiner Studienzeit in Deutschland erzählte oder darüber, zu verstehen, dass es genau solche Abende sind, die den Austausch zwischen den Kulturen vertiefen, denn geknüpfte oder aufgefrischte Kontakte ermöglichen vielleicht eine spätere Umsetzung von Ideen. Jedenfalls kann es nicht schaden, den Kulturattaché zu kennen, besonders, wenn er anbietet, Kontakte zu chinesischen (Sport-)schulen zu knüpfen. Wir werden sehen, was daraus wird.

Ich fuhr beschwingt nach diesem Politabend nach hause, fühlte einen weiteren Einblick in politische Abläufe erhalten zu haben und habe es auch genossen, ganz unterschiedliche Menschen gesprochen zu haben. Alle waren und sind Teil des kulturellen Austausches. Gleichfalls war der Abend einfach unterhaltsam, wenn man sich selbst nicht so wichtig nimmt.

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