Und jetzt feiern wir das Jahr des Feuerhahns

Wir haben wieder Ferien, denn in China wird das chinesische Neujahrsfest gefeiert. Es ist der wichtigste Feiertag des Jahres, der in der Regel in der Familie verbracht wird. Es wird viel und abwechslungsreich gegessen, und der Abend wir damit einem Feuerwerk gekrönt – ich habe ja bereits davon berichtet.

Stephan und mir erscheinen allerdings die Ausmaße des Festes dieses Jahr stärker zu beeindrucken als zuvor; wahrscheinlich liegt es daran, dass wir bis zum Feiertag – und auch am Feiertag selbst – noch gearbeitet haben. Die Schule hat dieses Jahr einen großen Faux Pas begangen und dieses chinesische Fest nicht korrekt im Ferienplan berücksichtigt. Unsere Zeugnistag fiel somit auf diesen Feiertag, obwohl sonst wirklich niemand gearbeitet hat. Stellt Euch vor, Ihr müsstet an Heilig Abend zur Arbeit gehen……

Obwohl uns Deutschen dieses Fest nichts bedeutet, war es doch für viele der chinesischen Angestellten der Schule sicherlich ein Drama an diesem Tag zu arbeiten. Allerdings wurden wirklich jeder, auf den verzichtet werden konnte, doch noch beurlaubt – denn ein Heimweg zur Familie kann lange dauern. Nicht jeder kann sich ein Flugticket leisten, sondern muss mit dem Zug oder Bus lange Fahrzeiten bis in die hintersten Provinzen in Kauf nehmen.

Jedenfalls haben wir in den vergangenen 3 Wochen – eigentlich seit unserer Rückkehr in den Schulbetrieb im Januar 2017 – miterleben können, wie sich die Stadt von Tag zu Tag leerte. Langsam verschwanden die Obstverkäufer mit ihren Wägelchen, dann alle Snackverkäufer und letztendlich auch die TukTuk-Fahrer aus dem Straßenbild. Am Morgen des 27.1. war fast kein Verkehr auf der Straße. Ich traf einen Straßenkehrer, wo sonst ganz Putzkolonnen unterwegs sind. Zuletzt habe ich die Stadt am Feiertag zum 70jährigen Kriegsende gegen Japan vor zwei Jahren so gesehen. Diese leeren Straßen sind herrlich, es ist leise, die Vögel zwitschern – ich fühlte mich, als würde die Stadt nur mir gehören.

Ein Highlight in diesem Zusammenhang war auch wieder das diesjährige Fest für die chinesischen Angestellten der Schule. Der angemietete Hotelsaal war festlich, und das Programm, dass alle Angestelltengruppen auf die Beine gestellt haben umfangreich. Und passend zum neuen Jahr des Hahns (oder auch des Huhns)  sollte es einen besonderen Auftritt geben…..ratet mal, wer diese Hauptrolle übernommen hat??????

Nachdem der Rapgesang des Rap-Huhns geendet hatte, musste ich für etliche Fotos posieren; sogar der kugelrunde Kopf wurde mir fast von den Schultern gerissen – die Chinesen waren so neugierig, wer denn wohl drunter steckte. Es war ein lustiger Abend. Ich bin jedes Mal beeindruckt, wie sehr dieses gemeinsame Fest von der Schulleitung und dem Verwaltungsleiter als Hauptgastgeber geschätzt wird. Die Chinesen bereiten es liebevoll und mit viel, viel Elan und Übungsphasen vor, amüsieren sich über ihre eigenen Auftritte, die sowohl gekonnt als auch ein wenig peinlich sein können. Aber vor allem treten sie ihrem Chef, der an diesem Abend auch ein (kleines) Bonusgehalt zahlt, mit viel Respekt gegenüber, dass ich gerührt bin und solch ein Miteinander in unserer Kultur vermisse.

Happy Chinese New Year !

 

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